Die dritte Kompanie, eine der profiliertesten Kerngemeinschaften des Gerther Schützenvereins, ist mit ihrer bewegten Kompaniegeschichte ein getreues Spiegelbild der Vereinsgeschichte selbst. Ihre Gesamtentwicklung ist ein stetiges Auf und Ab. Häufig ist sie ganz oben, ein Vorbild an Schützengeist und Schützengesinnung. Dann wieder kommen Phasen der Stagnation, aber niemals war oder ist sie einfluss- oder bedeutungslos.

Sie ist immer bereit, die großen Traditionen des Vereins, das Königtum, die Schützenfeste, die Ausmärsche und den Schießsport, den kameradschaftlichen Kontakt zu befreundeten Nachbarvereinen, aber auch die Geselligkeit in den eigenen Reihen, zu pflegen, weiterzugeben und mit neuem Leben zu erfüllen.

Die Anfänge der Kompanie lassen sich aus der etwas dunklen und verworrenen Vereinsgeschichte einigermaßen hinreichend erklären:

Der Gerther Schützenverein führt seine eigenen Wurzeln auf den Kriegerverein Holthausen zurück, von dem ein Gründungsprotokoll aus dem Jahre 1899 vorliegt. Als 1914 Holthausen nach Gerthe eingemeindet wurde, nannte sich dieser Verein ein Jahr später Kriegerverein Gerthe-Holthausen, der 1918, nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches, sich historisch überlebte.

Am 27.07.1919 beschloss die durch Kriegsverluste und Austritte geschwächte Generalversammlung des Vereins, der für sich selbst keine Zukunft mehr sah, die Auflösung. Den nur noch 65 Mitgliedern wurde nahe gelegt, zum Gerther Kriegerverein überzuwechseln.

Der verbleibende Rest gründete einen Gerther “Bürger-Schützenverein“, der sich fortan dem Schießsport und der Heimatpflege verbunden fühlt und in der Folgezeit zu den führenden Vereinen im Bochumer Norden aufsteigt. Da der neue Schützenverein, dessen Vorstand sich noch komplett aus dem des alten Kriegervereins zusammensetzte, nur ein kleines Bataillon hatte, sich in diesem Bataillon aber schon früh erste Gruppierungsversuche abzeichneten, kann das Jahr 1925, wenn man so will, als die etwas schemenhafte Geburtsstunde der 3. Kompanie bezeichnet werden.

Von richtigen Kompanien als eigenständigen Abteilungen im Bataillon konnte in der Folgezeit noch nicht gesprochen werden. Als das erste Schützenfest in Gerthe 1926 vor der Tür stand, verzeichnete das allmählich wieder erstarkende Bataillon so große Zuwachsraten, dass am 11.10.1925 beschlossen wurde, die Vereinsstrukturen zu straffen und das neben dem Vorstand, Offizierskorps, Fahnenkommando und Spielmannszug bestehende Bataillon in fünf Kompanien aufzuteilen, denen jeweils “Hauptleute“ vorstehen sollten. Als am 12.-14.06.1926 Gerthe sein glanzvollstes Schützenfest aller Zeiten erlebte, marschierte im Festzug eine “Compagnie“ Kollmeier (die heutige K3) mit.

Ein Beschluss der Generalversammlung vom 18. September 1927 bestätigte die Kompanien als selbständige Abteilungen und verankerte sie in der Satzung. Die 3. Kompanie wickelte ihr eigenes Übungsschießen ab, führte eigene Feiern durch, wählte ihren Kompanievorstand und regelte ihre inneren Angelegenheiten ohne Einfluss von außen. Grundlage des Verhältnisses zu Verein und Bataillon war die Satzung des Schützenvereins. Diese Regelung gilt übrigens bis heute.

Im September 1927 hatte die Kompanie Kollmeier eine Stärke von 100 Mann und verfügte über 55 vereinseigene Holzgewehre. Welche Wertschätzung Heinrich Kollmeier im Vorstand besaß, geht aus der Tatsache hervor, dass am Volkstrauertag 1928 für die Katholischen im Bataillon der Oberst Danne, für die Evangelischen der Hauptmann Kollmeier, zuständig war.

1929 war der Aufgabenbereich von Heinrich Kollmeier größer denn je. Als Kompaniechef war er zuständig für die Neuaufnahmen, für die Auswahl und Meldung von Kompaniemitgliedern, für die Vergleichs- und Wanderpreisschießen, für die Kranzspenden und Holzgewehre, für die Kleidung der Fähnriche, für die Teilnahme an Offiziersveranstaltungen (das Korps verfügte über eine eigene Offizierskasse) und Monatsversammlungen, für die Meldung der jeweiligen Schießwarte bei der Polizei und für die ordnungsgemäße Abwicklung der Ausmärsche.

Derweil wurden die Zeiten immer schwerer. Als am 10. November 1929 die außerordentliche Generalversammlung beschloss, trotz der großen Schwierigkeiten (Finanzierung, Königsfrage) 1930 ein Schützenfest zu feiern, wurde Heinrich Kollmeier in die “Festkommission“ gewählt und mit der Befugnis ausgestattet, selbständig zu handeln, zuständig für Festplatz und Festzelt, Musik und Gästeliste, Polizei und Ordnungsdienst, Ehrenschuss und Kassenkontrolle und für Kutschen und Blumen zu sein, aber auch für die vielen kommunalen Ämter der Stadt, die bei Schützenfesten gefragt werden wollen.

Beim Königsschießen 1930 stellte die dritte Kompanien ihren ersten König. Es war Heinrich III. Kollmeier, der sich die Gattin des amtierenden Obersten, Trude Danne, zur Königin wählte und in seiner zweijährigen Regentzeit, trotz immer schwerer werdenden Zeiten, in Gerthe unvergessene Schützenakzente setzte. Der agile Metzgermeister blieb nicht der einzige König der dritten Kompanie, die in den Folgejahren noch häufiger zur Königskompanie avancierte.

Die komplette Königsliste der K3:

1930 - 32: Heinrich Kollmeier und Trude Danne
1966 - 68: Heinrich Westermann jun. und Elsa Völker
1970 - 72: Dr. Günther Pohl und Erika Pohl
1976 - 77: Kaiserpaar Dr. Günther Pohl und Erika Pohl
1979 - 81: Franz Völker und Ingrid Westermann.

Nach dem Krieg kam das Vereins- und Kompanieleben nur mühsam in Schwung. Die Zeit war gegen Uniformen, Ehrenzeichen und Gewehre, und erst das Schützenfest 1954, das erste der Nachkriegszeit, brachte den Durchbruch. Erster Kompanieführer der “Dritten“ wurde der Heizungsinstallateur Wilhelm Borgmann, Kompanielokal das Stammhaus Borgmann an der Ecke Lothringer Straße / Hans-Sachs-Straße. Die Kompanie war mit 56 Mitgliedern zahlenmäßig nicht sehr stark, aber mitbestimmend und einflussreich. Sie war etabliert, durchaus bürgerlich und bestand im Kern aus Selbständigen, also aus Geschäftsleuten und Unternehmern.

Einen nie dagewesenen Aufschwung in ihrer Geschichte erlebte die Kompanie in den 70er Jahren, mit dem absoluten Höhepunkt Anfang der 80iger Jahre. Mehrere Gunstfaktoren bündelten sich wie in einem Brennglas zu einer Blütezeit, wie sie in Stärke und Dauer nur wenigen Kompanien im Verein beschieden waren. 1972 gerade 88 Mitglieder umfassend, überschritt die Kompanie dank der werbenden Mithilfe der Kameraden Heribert Niggemann und Werner Gogolin, schnell die Hundertergrenze in der Mitgliederstärke und verfügte 1978 phasenweise über 180 Mitglieder.

Zentrum aller Aktivitäten war die Gaststätte “Glück Auf“ an der oberen Heinrichstraße, wo die Kompanie, nach einer Kampfabstimmung im alten Kompanielokal Borgmann, ihr neues Domizil gefunden hatte.
Die Kompanie stellte aus ihren Reihen die im inneren Machtbereich von Verein und Bataillon entscheidenden Männer:

mit Dr. Günther Pohl den 1. Vorsitzenden des Vereins und

mit Heinrich Westermann den Bataillonsobersten.

Beide Männer, die sich seit 1950 große Verdienste um die Wiederbelebung des Schützenvereins in Gerthe erworben hatten, bedeuteten für die dritte Kompanie über Jahre hinaus einen entscheidenden Vorteil im Ringen um Macht, Einfluss und Ansehen auf allen Ebenen des Vereins.

Der Diplomingenieur und Architekt Franz Völker führte die Kompanie mit Schneid und Umsicht. Ein rühriger und cleverer Kompaniewirt, Günther Dederke, zeichnete für den Aufschwung sich ebenso verantwortlich wie die vielen ungenannten Kameraden, die beispielsweise einen Schießstand errichteten.

Die Kompanie war von 1970 bis 1985 das Flaggschiff des Bataillons. Sie stellte bei Schützenfesten und Ausmärschen jeweils die imponierenste Marschsäule, feierte im schießsportlichen Bereich des Bataillons, aber auch überörtlich, große Erfolge und war bei den mittlerweile Legende gewordenen Kompaniefesten in Gerthe eine erste Adresse.

Mit dem damaligen Wirtsehepaar Gerd und Anne Battefeld gelang der Kompanie 1981 ein weiterer Glücksgriff. Dreizehn vorbildlich ausgerichtete Königsschießen, in der Eigenverantwortung des o. g. Wirtsehepaares, haben das Ansehen der dritten Kompanie nicht unwesentlich vermehrt.

Kontinuität ist nicht nur in der Kompanieführung, hier die gewählten Kompanieführer:

1954 - 1962 Wilhelm Borgmann
1962 - 1981 Franz Völker
1981 - 1983 Günther Dolereit
1983 - 1996 Hein Westermann
1997 - 1999 Klaus Jelinski
1999 - 2007 Hein Westermann
2007 - 2010 Gerd Battefeld
2010 - 2012 Ernst Cassing.

Der Schießsport nimmt in der dritten Kompanie einen hohen Rang ein. Vor dem Krieg, bei den so genannten Vergleichsschießen, nie sonderlich erfolgreich in Erscheinung tretend, ging sie, nach der Wiederentstehung des Vereins in den 50er Jahren, schießsportlich in die Offensive. Die überörtlichen Schießerfolge der K3 aufzuzählen, würde eine eigene Festschrift erfordern. Als Beispiel möge das Schützenjahr 1979/80 gelten, als die Gerther Mannschaft, mit Günther Paßmann und Waldemar Kopka von der 3. Kompanie, im Kreis Bochum-Hattingen-Wattenscheid 1. Sieger im Rundenwettkampf wurde, und Michael Rose Erster Stadtmeister bei den Jungschützen und Junioren wurde.

Neben dem Schießsport ist die dritte Kompanie aber auch auf eine besondere Art von Geselligkeit ausgerichtet, in der auch Originale ihren Platz haben.
Da hat es bei ihr einen Major Kuhle gegeben, ein schwergewichtiger Schütze, der nicht nur mit hochrotem Kopf den Stechschritt bewältigte, sondern den Vereinsvorstand auch durch seine Aktivitäten vor gravierende Beförderungsprobleme stellte. Als neue Dienstgrade nicht mehr für ihn zur Verfügung standen, der Hochdekorierte “durchwalkte“ als gelernter Masseur regelmäßig die Bataillonsspitzen, und er nicht weiter befördert werden konnte, mussten Orden, Ehrenzeichen, Plaketten und Urkunden in nie wieder erlebter Fülle her.

Der gelernte Bäckermeister Hans Küppers, Feuerwerker aus Passion, hatte die ersten Schützenfeste der Nachkriegszeit mit Böllerschüssen begleitet, deren Wucht noch bis heute nachhallt, abgefeuert aus einer eisernen, mit Lumpen gestopften Uraltkanone. Solche Männer kann die Kompanie auch heute noch gebrauchen.

Auszüge aus unserer Cronik der 3. Kompanie wie oben angeführt, wurden in diversen internen Veröffentlichungen des BSV Bochum-Gerthe gesammelt und gedruckt.

Unser Wunsch und Gedanke für die nähere Zukunft kann nur heißen: Geselligkeit und Harmonie
sollen bei uns, neben allem sportlichem Ehrgeiz bei Vergleichs- und Pokalschießen, oberste Priorität haben.













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