Der Bürgerschützenverein Bochum-Gerthe und somit auch die 1. Kompanie sind aus dem
Kriegerverein Gerthe-Holthausen hervorgegangen. In den Jahren 1899 und 1900 wurde der
Versuch gemacht, einen kaisertreuen Kriegerverein zu gründen. Dass diese Gründungs-
versuche nicht von Erfolg beschieden waren, lag an der behördlichen Genehmigung, die
nicht gerade versagt wurde, doch mit so vielen Schreibereien und Schwierigkeiten verbunden
war, dass das Interesse für die Sache wieder einschlief. Erst nach dem dritten Versuch
vom 15. September 1901 wurde die Genehmigung zur Gründung des Kriegervereins
Gerthe-Holthausen am 01. November 1901 erteilt. Als der Verein im Jahre 1918 mit dem
verlorenen 1. Weltkrieg und mit dem Ende des deutschen Kaiserreiches seiner historischen
Grundlage verlustig geht, fasst im Jahre 1919 erstmalig der Gedanke Fuß, den soldatisch
bzw. militärisch ausgerichteten Kriegerverein in einen bürgerlichen und schießsportlich
orientierten Schützenverein umzubenennen. In der Jahreshauptversammlung vom 27. Juli 1919
wurde die Auflösung des Kriegervereins und die Gründung eines Bürgerschützenvereins
einstimmig beschlossen. Der alte Vorstand des Kriegervereins wurde der neue Vorstand des
Bürgerschützenvereins Bochum-Gerthe. Grund genug, dass sich die 1. Kompanie das Jahr 1901
als Gründungsjahr zu Eigen macht. Das Vereinsleben kommt erst nach vielen weiteren Jahren
der Klärung seiner Struktur und Organisation erst 1925 richtig in Fluss. Die zahlreichen
Neuaufnahmen, das bevorstehende Schützenfest, die regelmäßig durchgeführten Bataillons-
schießen und das unübersichtlich gewordene Offizierscorps erfordern jetzt eine durchgehende
Umstrukturierung im Funktionsgefüge des Vereins. Diese findet in der neuen Satzung und den
Bestimmungen (s.a.a.O.) vom 31. August 1925 ihren Niederschlag. In ihnen ist von einem
Kompanieführer im Range eines Hauptmanns die Rede, von „Kompanien“ als selbständige
Einheiten, die sich ihren Führer und ihre Chargierten selbst wählen, die bei geeigneter Stärke
Kompanieweise marschieren und ihre Schießveranstaltungen und geselligen Treffs in
Eigenregie durchführen.


Hier liegt eine weitere Geburtsstunde der Kompanien, die ihre offizielle Absegnung in der General-
versammlung vom 20. September 1925 erfährt, in der Satzungsentwurf und Bestimmungen
einstimmig angenommen werden. Von 1901 bis nach dem 2. Weltkrieg fehlen in der 1. Kompanie
leider Unterlagen, die eine Nachvollziehung des Vereinsgeschehens näher beleuchten könnten.
Bekannt ist nur, dass die 1. Kompanie am 05. September 1926 als „Kompanie Sparthmann“ in den
Protokollbüchern des Bataillons Eingang findet.

 

Die auf 587 Kameraden angewachsene Mitgliederzahl des Vereins lässt das bisher praktizierte
Bataillonsschießen zugunsten eines Kompanie-Vergleichsschießens als wünschenswerter und
praktikabler erscheinen. Da jede Kompanie 50 % ihrer Mitglieder bei diesem Vergleichsschießen
(dem heutigen Dr. Pohl-Gedächtnispokal-Schießen) zu stellen hat, gibt es seit dieser Zeit auch
Hinweise über die Kompaniestärke der 1. Kompanie und ihre Funktionsträger.

 

Bei den Vorstandswahlen des Vereins am 09. Januar 1927 stellt die 1. Kompanie mit dem
Schützenkameraden August Sparthmann den Kompanieführer, mit dem Wirt van de Pavert
(kath. Vereinshaus) den Beisitzer und mit Egon Wiesehahn den Kompanieschreiber.

 

Das Fahnenkommando für die alte Kriegsfahne und die neue Traditionsfahne setzt sich aus
Kameraden der 1. Kompanie und seit 1926 auch aus Kameraden der 2. Kompanie zusammen.
Ihnen wurde traditionell der verantwortliche Umgang mit den Fahnen per Versammlungsbeschluss
zugestanden, die sie noch heute mit Stolz tragen und betreuen. Erster Fahnenoffizier war der
Kamerad Zwingmann. Aktuelle Träger der Vereinsfahne und der restaurierten Kriegerfahne, die in
der unmittelbaren Nachkriegszeit aus einem Müllcontainer gerettet werden kann, sind die
Kameraden Heinz-Werner Bettermann, Nils Borowski, Hans Dzwigoll, Maximilian Junghänel,
Jörg Klatt und Rolf Schoppmeier von der 1. Kompanie sowie weitere Kameraden von der 2. Kompanie.

 

In der Hauptversammlung vom 02. September 1927 werden der „Kompanie Sparthmann“ für das
bevorstehende Schützenfest 88 vereinseigene Holzgewehre übereignet. Sie ist damit zweitstärkste
Kompanie im Bataillon, die im Offizierscorps nach einer Protokollnotiz vom 06. Februar 1928 mit dem
1. Oberleutnant als Beisitzer und dem Kompanieführer als Hauptmann vertreten ist und in den eigenen
Reihen 20 Chargierte aufweist.

 

In den Jahren 1925 bis 1928 nimmt die Mitgliederzahl der Kompanie ständig zu oder ist leichten
Schwankungen (1928 = 151 Mitglieder, 1929 = 142 Mitglieder) unterworfen. Nach 1930 nimmt die
Kompaniestärke, wie bei den anderen Kompanien auch, kontinuierlich und zeitbedingt ab
(1930 = 118 Mitglieder, 1931 = 103 Mitglieder, 1934 = 71 Mitglieder, 1937 = 55 Mitglieder,
1941 = 55 Mitglieder). Im Jahr 2012 liegt die Zahl der Mitglieder bei insgesamt 62.
 

Bei der Wiederbelebung des Schützengedankens in Gerthe im Jahre 1951 ist die 1. Kompanie
maßgeblich beteiligt. Sie kann dabei mit Stolz auf fähige und einsatzfreudige Kompanieführer
zurückblicken:
 
                                   1925 bis 1951             August Sparthman
                                   1951 bis 1953             Ewald Groß
                                   1953 bis 1959             Walter Fiene
                                   1959 bis 1962             Walter Brieden
                                   1962 bis 1972             Wilhelm Reelsen
                                   1972 bis 1973             Franz Haase
                                   1973 bis 1974             Werner Kempmann
                                   1974 bis 1975             Paul Kantorek
                                   1975 bis 1981             Wilhelm Reelsen
                                   1981 bis 1985             Alfred Kamplade
                                   1985 bis 1994             Heinz-Jürgen Winkler
                                   1994 bis heute            Wolfgang Reitz
 
Sie verdankt vor allem dem nimmermüden Ehrgeiz von Wilhelm Reelsen, seiner Energie und seiner
bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 2002 ungebrochenen Einsatzbereitschaft, ihren großen
Aufschwung in der Nachkriegszeit. Die 1. Kompanie hat dem Gerther Schützenverein vier Königspaare
aus den eigenen Reihen beschert:
 
                                   1972 bis 1974             Wilhelm Reelsen mit seiner Gattin Else
                                                                     als erstes Königspaar der Kompaniegeschichte

                                   1977 bis 1978             Friedhelm Stoll mit seiner Gattin Elsbeth
 

                                   1997 bis 1999             Werner Frank mit seiner Gattin Karin 
                                                                    die den Verein ins  100. Jubiläumsjahr geführt haben
 
                                   2011 bis 2013             Jörg Reitz mit seiner Gattin Susanne
 
 
 

Die schießsportlichen Leistungen der 1. Kompanie sind bis heute ihr Markenzeichen. Beim Wander-
preisschießen vom 05. September 1929 erzielt sie mit 42 angetretenen Schützen 1028 Ringe, wird mit
einem Durchschnitt von 25,67 Ringen drittstärkste Kompanie, von der allein 7 Schützen mit einem
Ehrenzeichen (12 Treffer) ausgezeichnet werden. In den 30er Jahren gerät das Kompanieschiff in
zunehmend schwieriges Fahrwasser, ehe das Kompanieleben im Jahre 1942 vollends erlischt.
Schießsportlich ist die 1. Kompanie, besonders nach ihrem Aufschwung in den 80er und 90er Jahren,
eine Säule im Bataillon. Maßgeblichen Anteil an diesem Aufschwung hat dabei der unter Leitung des
damaligen Kompanieführers Heinz-Jürgen Winkler im Jahre 1993 in Eigenarbeit erstellte kompanieeigene
Luftgewehr-Schießstand im Kompanielokal „Cöppencastrop“, der bei seiner Einweihung als
„schmuckes Kleinod“ im ganzen Bataillon große Bewunderung auslöst. Der viermalige Gewinn der
Dr. Pohl-Gedächtnispokals in den Jahren 1982, 1984, 1995 und 1998, viele zweite Plätze im gleichen
Pokalwettbewerb sowie mehrere erste, zweite und dritte Plätze in der Einzelwertung auf Bataillonsebene
sind dafür „treffende“ Beispiele.
 
Feste Bestandteile des aktiven Schießsports sind zurzeit:

1. Das wöchentliche Bedingungsschießen, welches seit 1961 durchgeführt wird, findet an jedem Freitag     
    ab 18:30 Uhr auf unserem Kompanieschießstand in der ehemaligen Gaststätte „Cöppencastrop“, 
    Castroper-Hellweg 572 in Bochum-Gerthe statt. Gewertet werden 10 Schuss mit aufgelegtem Gewehr.
    Aus den 40 bis 46 Schießtagen des Jahres werden die besten 20 Ergebnisse für die Wertung herangezogen.
    Wer hierbei die höchste Ringzahl erreicht, darf sich jahresbester Schütze und Kompaniemeister der
    1. Kompanie nennen.
    Der Wettbewerb ist in 2 Altersgruppen aufgeteilt:
    1. Gruppe bis 55 Jahre
    2. Gruppe ab 56 Jahre
    Ausgezeichnet werden am Jahresende die besten 5 Schützen  aus jeder Gruppe.
    Das wöchentliche Bedingungsschießen wird durchschnittlich von 15 bis 20 Schützen besucht.
 

2. An bestimmten Schießtagen, die von der Schießleitung bestimmt werden, kommen zusätzlich folgende 
    Pokale zur Ausspielung:
    a. Königspokal (seit 1973)
    b. Wanderpreis der Stadt Bochum (seit 1981)
    c. Wilhelm-Reelsen-Gedächtnispokal (seit 2003)
    d. Heinrich-Müller-Alterspokal (seit 1983)
        (Dieser Pokal wird nur in der Altersgruppe ab 56 Jahre ausgeschossen.)
    Für diese Schießen zählen 4 Schießtage, wobei das Bedingungsschießen als Wertung herangezogen wird.
 
3. Das Ausschießen eines Wanderpokals der 1. Kompanie (seit 1964)
 
4. Das KK-Schießen um den Pokal der Eheleute Monika und Rolf Schoppmeier (seit 1991)
    Dieses Schießen findet beim Schützenverein Witten-Papenholz statt. Die Sieger der
    Gruppe 1 (bis 59 Jahre) und der Gruppe 2 (ab 60 Jahre) erhalten nach 10 durchgeführten Schüssen
    jeweils einen von den  Eheleuten Rolf und Monika Schoppmeier gestifteten Pokal.
 
5. Das Schießen um den Wilhelm-Reelsen-Reelsen-Gedächtnispokal findet jährlich auf dem    
    Bataillonsschießstand seit 2003 statt. Hier können die anderen Kompanien des Bataillons sowie   
    auswärtige Vereine´teilnehmen.
 
6. Jährlich findet am Karfreitag ein Ostereierschießen statt, bei dem ein Schütze bis zu 65 Ostereier    
    gewinnen kann. Jeder Teilnehmer erhält mindestens 12 Ostereier.
 
7. Ferner führt die 1. Kompanie jährlich ein Eintagskönigsschießen mit einem kleinen Königsball durch.
 
8. Das Bataillon führt jährlich folgende Pokalschießen durch, an dem sich die 1. Kompanie beteiligt:
   a) Dr. Günther-Pohl-Gedächtnispokalschießen (von 1973 bis 2012)
       Ab 2013 findet hierfür das Udo-Allritz-Gedächtnispokalschießen statt.
       Dieses Schießen wird nur von den 5 Kompanien des Bataillons bestritten.
   b) Dr. Theodor-Droste-Gedächtnispokalschießen
       An dieser Veranstaltung können auswärtige Vereine teilnehmen.
 
Nicht minder bedeutsam sind die Wettkämpfe mit befreundeten Vereinen aus der Nachbarschaft und
schießsportliche Vergleiche mit anderen Kompanien im Verein.
 
 

Die Förderung der Jugend ist eine der Grundprinzipien der 1. Kompanie. Mit besonderem Stolz blickt die
1. Kompanie auf die Gründung einer Jugend-Schießgruppe im Jahr 1996 zurück. Sie trifft sich regelmäßig alle
14 Tage Freitags ab 17.00 Uhr auf dem Kompanieschießstand und führt ihr Bedingungsschießen durch. Mit der
Auszeichnung des jahresbesten Jungschützen auf der Weihnachtsfeier endet das Schießjahr der Jugendgruppe.
Die Schützenkameraden Adolf Passareck, Rolf Schoppmeier, Harald Weber und Hanspeter Ascherfeld betreuen
arrangiert und mit viel Energie die Jugendgruppe seit ihrer Gründung und vermitteln ihnen einen Einblick in das
Vereinsleben eines Schützenvereins. Im Jahr 2007 wurde die Jugendgruppe der 1. Kompanie zusammen mit den
Jugendlichen der anderen Kompanien in eine Bataillonsjugendgruppe überführt. Kinder ab 10 Jahre können an den
Veranstaltungen der Jugendabteilung teilnehmen.
 

Zu den geselligen Aktivitäten der 1. Kompanie gehört neben den Kompanie- und Stiftungsfesten sowie den
Weihnachts- und Geburtstagsfeiern auch das traditionelle Reibekuchenessen einen Tag nach dem Schützenfest,
das sich nicht nur bei den eigenen Mitgliedern und deren Angehörigen, sondern auch bei den jeweiligen Majestäten
und den Bataillonsspitzen großer Beliebtheit erfreut. Seit einigen Jahren wird dieses Reibekuchenessen als
gemeinsame Veranstaltung im Wechsel mit der 2. Kompanie durchgeführt. Stets wird auch daran gedacht, bei
passenden Gelegenheiten die Frauen unserer verstorbenen Mitglieder einzuladen, damit sie nicht ins Abseits
geraten. Ein Höhepunkt in der nun 111-jährigen Kompaniegeschichte war die Feier anlässlich des 100-jährigen
Bestehens unserer Kompanie am 27. Oktober 2001 in der Aula des Schulzentrums Bochum-Gerthe. 100 Jahre
Vereinsleben bedeutet Opfer, Kraft und Freizeit von den verantwortlichen Kameraden. Das Jubiläumsfest stand
unter dem Motto:
 

                                                             „100 Jahre voller Harmonie,
                                                          das ist der Stolz der 1. Kompanie“
 

Dieses Motto gilt auch heute noch für die 1. Kompanie.
 

Schießen als Sport, d. h. Leibesübung und Leibeserziehung, verbunden mit dem Bedürfnis nach sinnvoller Freizeit-
beschäftigung, hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr Menschen der Schützenbewegung zugeführt und bildet
heute neben der Pflege überlieferter Traditionen und Verhaltungsweisen eine „moderne Säule“ des Schützenwesens.
Traditionsbewusstsein, Heimattreue, Vaterlandsliebe, Sportgeist, Lebensfreude. Diese kulturellen uns sozialen
Wertkategorien gelten bis heute unverändert fort. Sie werden auch in Zukunft das Schützenwesen lebendig halten.

 

Die Kameradschaft, die aktive Brauchtumspflege, das Zusammengehörigkeitsgefühl, der sportliche Ehrgeiz,
besonders die Förderung der Jugend und die Wertschätzung älterer Mitglieder
sind die Grundprinzipien der 1. Kompanie.
 

 
Bochum-Gerthe, im Dezember 2012
 
 
Mit Schützengruß
     „Gut Schuss“
 
 
Wolfgang Reitz
(Kompanieführer)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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